Bericht vom 10-jährigen Abi-Treffen am 26. Mai 1990
 
Die 90er haben die "80er" eingeholt

Ab(i)solventen des Mariengymnasiums trafen sich zum Zehnjährigen

Lange nicht gesehen – und doch wiedererkannt! Dieser in Zeiten aktiven Pennälerdaseins leidlich und meist zu Unrecht strapazierte Spruch wurde für rund 60 "Ehemalige" am 26. Mai dieses Jahres zur grausamen Realität. Mußte man sich doch eingestehen, daß es tatsächlich zehn Jahre her war, daß man dieses schwarz auf weiß gedruckte und für viele im späteren Leben so unverzichtbare Papier – Abitur genannt – gemacht, gebaut oder schlicht ausgehändigt bekommen hatte. Die 90er haben die 80er Ab(i)solventen eingeholt, aus den Twens sind Dreißigjährige geworden, denen man ja bekanntlich nicht mehr über den Weg trauen sollte. Oder?

Kay-Britta Stoffers (Lehrerin, was sonst?) und Thea Becker, die mittlerweile Oltmann heißt und irgendwo am Gesäß der Welt des Universums Haus, Hof und Kinder hütet, hatten gerufen (besser: geschrieben), und mehr als die Hälfte von ehedem 101 Mariengymnasiasten kamen zum Jubiläums-Klön in den "Schützenhof". Zwei Mädels übrigens, pardon Damen; die schon immer ganz vorn dabei waren, wenn es etwas zu organisieren galt. Soweit – alles beim alten. Abgesehen davon, daß der Zahn der Zeit wohl an kaum einem vorbeigenagt hatte, wiederzuerkennen waren sie (fast alle). Etwas korpulenter vielleicht der eine, der andere etwas lichter, und mancher gar in frühzeitigen Ehren ergraut. Aber sonst: dieselben Cliquen, die sich flugs zusammenhockten und in Erinnerungen schwelgten – oder schon wieder pennälerlike zu tratschen anfingen. Manch einen (oder eine) hätte man auch problemlos – vergleichbar nur den Fingerabdrücken – an der immer noch unverkennbaren Lache ausmachen können. Und in die rehbraunen Augen des heimlichen Jugendschwarms hätte man sich auch auf der Stelle wiedervergucken können – also, was soll’s?

Berühmt? Nein, berühmt geworden ist bislang wohl noch keiner von uns "80ern" – was immer das auch sein mag. Nicht einmal die "Berüchtigten" von anno dazumal. Reichlich viele neue Pädagoginnen und Pädagogen sind dem Matura-Schoß entsprungen, die jetzt ihrerseits die Hinterbänkler triezen (oder auch nicht). Daß die "Alten" am Jubiläumsabend wegen der grünen" Abiturfeier durch Abwesenheit glänzten, wurde zur Kenntnis genommen, tat der Wiedersehensfreude aber keinen Abbruch.

Erstaunlich, wie viele ihre bereits vor zehn Jahren in der Bier-Zeitung angedrohten Berufswünsche haben wahrwerden lassen. So ist die gute Dagmar zwar nicht das Gesetz, aber immerhin dessen Hüter geworden. Dr. Ralph hat anscheinend die gesuchten "Freiwilligen" für seine medizinischen Studienzwecke gefunden, und Dr. Hans-Hartwig hat die (Zahn-)Lücke geschlossen, die seine Vorfahren schmerzlich hinterlassen haben.

Alles in allem – ein sehr gelungener Abend, der künftig im Fünf-Jahres-Rhythmus wiederholt werden soll. Ein redseliger Abend allemal, an dem man wie magnetisiert stets wieder bei denjenigen landete, mit denen man immer schon konnte. Ein weiterer Beleg dafür, daß Wunden zwar heilen, einmal fest geknüpfte Bande aber sehr resistent sind. Ach ja – fast hätte ich es vergessen: einige von uns haben sich immer noch nicht vom (Hoch-)Schul-Alltag trennen können – man lernt ja bekanntlich auch nie aus. Und ein gutes Dutzend Jubilare sah sich denn auch genötigt, nach der "offiziellen Feier" seinen nimmersatten Wissensdurst in der "Bierakademie" zu stillen.